Ana Roš war auf dem Weg, Diplomatin zu werden. Sie fuhr Ski im jugoslawischen Juniorennationalteam, studierte anschließend Diplomatie in Triest und hatte ihre Laufbahn bereits vorgezeichnet, als sie Valter Kramar kennenlernte, dessen Familie das Gasthaus Hiša Franko im Soča-Tal in Slowenien führte.
2002 zog sie dorthin. Als sich seine Eltern zurückzogen, übernahm sie die Küche ohne einen einzigen Ausbildungstag und ohne jemals zuvor in einer Restaurantküche gearbeitet zu haben. Sie ist vollständig Autodidaktin, und das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man sieht, was sie seither erreicht hat.
Der Ort ist entscheidend. Kobarid liegt in einem Tal an der italienischen Grenze, umgeben von Bergen und der Soča, einem türkisfarbenen Fluss voller Forellen. Im Ersten Weltkrieg verlief die Front direkt durch das Tal und das Haus wurde als Feldlazarett genutzt. Hemingway ließ A Farewell to Arms hier spielen.
Die Abgeschiedenheit macht schon den Einkauf zu einer eigenen Aufgabe. Roš baut ihr Menü auf einem Netzwerk lokaler Sammler, Käser und Fischer auf, mit marmorierter Forelle aus dem Fluss und Tolminc von den Almen. Das ist keine Prinzipienfrage, sondern schlicht der einzige Weg in einem Tal ohne Lebensmittelgroßhändler.
Das Buch ist ihr erstes und ebenso sehr Autobiografie wie Rezeptsammlung. Es enthält Essays über die Landschaft, über die Produzenten, mit denen sie arbeitet, und darüber, was es kostet, an einem Ort, der kaum auf der Karte vorkommt, etwas auf diesem Niveau aufzubauen. Roš war in der zweiten Staffel von Chef's Table zu sehen, wurde 2017 zur besten Köchin der Welt gewählt und Hiša Franko hat heute zwei Michelin-Sterne.
Dies ist eine der wenigen Kochmonografien, bei denen der Text mindestens so stark ist wie die Fotografie.
Einband: Hardcover
Anzahl der Seiten: 256
Sprache: Englisch
Erstmals erschienen: 2020